Unsere Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum

Nami Uchiyama, Heide Berger-Kobayashi, Bodo Walther, Rahel Brendle, Myriam Müller (von l. nach r.)
Nami Uchiyama, Heide Berger-Kobayashi, Bodo Walther, Rahel Brendle, Myriam Müller (von l. nach r.)

Vertreter unserer Gemeinde werden im Gasthaus Ökumene, das im Rahmen der großen Reformationsfeiern in Wittenberg von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) organisiert wird, die Gemeinde vom 30. August bis 4 September, vorstellen. Für die Vorbereitungen besuchte das Wittenberg-Team zunächst das Kagawa Center in Kobe und danach unseren langjährigen Pfarrer in Ruhestand Klaus Spennemann. Wir hatten dabei vor allem die Erarbeitung einer Übersicht über das Werden und Wirken der deutschsprachigen Gemeinde im Kansaigebiet (Kobe – Osaka – Kyoto) im Augen. Der heilig gesprochene Toyohiko Kagawa, hatte in den Wirren des 2. Weltkriegs auch Einfluss am Erhalt unser Kirche. Im Juni werden Gemeindemitglieder sich auf den Spuren der ersten Christen in Nagasaki begeben und auch davon das eine oder andere in die Präsentation mit aufnehmen.

 

Neben unserer kleinen Gemeinde werden zum selben Termin die Deutsche St. Gertruds Gemeinde Stockholm und die Gemeinde der evangelischen Kreuzkirche in Addis Abeba anwesend sein.  

Das Kagawa Memorial Center in Kobe

Das Memorial Center
Das Memorial Center

Mehrere Gemeindeglieder der EKK besuchten am 04. März 2017 das Kagawa Center (kleines Museum) in Kobe-Kasuganomichi. Wieder im Lande konnte ich auch mitgehen, denn mich interessierte dies, da ich von Pfarrer und Sozialreformer Toyohiko Kagawa schon Bücher gelesen hatte. Sein Wirken in Japan hat mich fasziniert.

 

Das Museum beherbergt sehr viele Schriften von und über Kagawa; Poster und mediale Bildfolgemontagen und Videos informieren über das Leben und Werk diesen für Japan so wichtigen Mannes und seiner Zeit. Zugeordnet ist ein Begegnungscafe, das gut besucht wird, besonders von älteren Menschen des Wohnviertels, da ein gutes, preisgünstiges Mittagessen angeboten wird.

 

Nach dem Mittagessen im Kagawa   Center
Nach dem Mittagessen im Kagawa Center

Toyohiko Kagawa lebte von 1888 – 1960. Während seiner Schulzeit kam er über einen Lehrer mit dem Christentum in Kontakt. Die Bibel hatte ihn, besonders die Berichte über Jesu und sein Handeln, sehr beeindruckt und bewirkten sein klares Bekenntnis zu Jesus Christus. Er studierte Theologie und war als Pfarrer in einem Armenviertel von Kobe viele Jahre tätig, wo er auch mit seiner Familie gewohnt hatte. Die Hinwendung im Studium zu weiteren Wissenschaften, besonders zu Fragen der Landwirtschaft und Arbeiterbewegung - er gründete diverse Bewegungen - hatten das Ziel, Menschen für das Gemeinwohl zu engagieren. Ihm war durchgehend ein Anliegen, dass Menschen mit der biblischen Botschaft in Berührung kommen konnten, weil ihm das Vorbildhandeln Jesu, für den Nächsten da zu sein, selbst befähigte sich vielen Aufgaben zu stellen. Er war viele Jahre Berater der Zentralregierung und in der Kansai-Region. Die Sozialreform zum Wohle der Arbeiterfamilien war ihm sehr wichtig. Als Christ wusste er sich gefordert, gegen die kriegerischen Pläne und Machenschaften der Regierung Stellung zu beziehen, was Bespitzelung, sogar Gefängnisaufenthalte zu Folge hatte. Das Wirken Kagawas erinnerte mich an die Pfarrer Hinrich Wichern und Theodor Fliedner, die im 19. Jahrhundert sozialreformatorisch in Kirche und Gesellschaft hineinwirkten und den Grundstein für die heutige Diakonie legten in der Zuwendung zu Menschen am Rande der Gesellschaft. Es lohnt sich die Schriften von oder über Toyohiko Kagawa zu lesen.

Bodo Walther

Diakon/Sozialtherapeut

Zeitgeschichte der Ev. Kirchengemeinde Kobe-Osaka   -  einmal anders

Pfarrer Klaus Spennemann
Pfarrer Klaus Spennemann

Einen interessanten Nachmittag konnten Mitglieder unserer Gemeinde im Kansai Seminar House (Kyoto) am 8. April erleben. Sie hatten sich auf den Weg gemacht zu einem Besuch bei Prof. Dr. Spennemann. Ziel des Gespräches war, mehr über die Geschichte unserer EKK-Gemeinde zu erfahren, von einem Kirchenmann, der die Gemeinde als Pfarrer im Nebenamt etwa 45 Jahre begleitet hat. Diese Aufgabe bewältigte er zusätzlich zur Leitung des Seminar House und der späteren Professur an der Doshisha-Universität in Kyoto. Einmal monatlich und an besonderen kirchlichen Feiertagen findet in der Kobe Union Church ein deutschsprachiger Gottesdienst statt; früher in Kobe-Sannomiya (heute ein gut besuchtes Café-House der Bäckerei Freundlieb), seit ca. 1992 auf dem Teilgelände der ehemaligen Canadian Academy am Hankyu-Rokko-Berg; ein steiler, aber lohnender Weg zur Kirche.

 

Zu Beginn zeigte uns Dr. Spennemann einige Fotoalben, die einen visuellen Überblick über die Gemeinde vermittelten. Dazu wusste Dr. Spennemann zeitgeschichtliche Ergänzungen zu benennen und manche personenbezogene Anekdote zu schildern.

Im Kansai Seminar Haus mit Pfarrer Spennemannn
Im Kansai Seminar Haus mit Pfarrer Spennemannn

Im Weiteren legte Dr. Spennemann von ihm in den Jahren gesammelte Unterlagen vor, die wichtige Zeitdokumente über das Werden der deutschsprachigen protestantischen Gemeinde in Kobe sind und in das Archiv der Gemeinde übergehen sollen.

 

Die Wirren des zweiten Weltkriegs hätten beinahe dazu geführt, dass die damalige Kirche von den amerikanischen Besatzungsbehörden konfisziert worden wäre, doch kluge Gemeindeglieder der EKK und der amerikanischen KUPC - als kirchliche Gesamtkörperschaft - wussten dies in geschickter Weise zu verhindern. Natürlich wurden viele Namen genannt von Gemeindegliedern der Vergangenheit, die sich mit ihren Möglichkeiten für das Gemeindeleben engagiert haben. Denn ohne das persönliche Engagement vieler in der Gemeinde ist Kirche im Ausland nur schwer zu gestalten und aktiv zu beleben.

 

Auch ich*, der ich von 1983 – 1992 mit meiner Familie Mitglied der EKK gewesen bin und die Gemeinde als Vorsitzender von 1986 – 1992 leitete, konnte Zusammenhänge erfahren, die mir vorher in dieser Klarheit nicht bekannt waren. Man lernt eben nie aus!

H. Berger-Kobayashi, M. Müller, Pfr. A. Rusterholz, N. Uchiyama, D. Negi, Pfr. K. Spennemann, B. Walther, B. Rohde (von l. nach r.)
H. Berger-Kobayashi, M. Müller, Pfr. A. Rusterholz, N. Uchiyama, D. Negi, Pfr. K. Spennemann, B. Walther, B. Rohde (von l. nach r.)

Der jetzige Gemeindevorstand dankte Dr. Spennemann für die wichtigen Informationen, die eine Ergänzung darstellen für die Erarbeitung einer Übersicht über das Werden und Wirken der deutschsprachigen Gemeinde im Kansaigebiet (Kobe – Osaka – Kyoto), die bei einer Veranstaltung Anfang September 2017 in Wittenberg im Rahmen einer EKD-Woche der ‚Auslandsgemeinden‘ vorgestellt werden sollen. Neben unserer doch kleinen Gemeinde werden auch andere deutschsprachige Auslandsgemeinden die Gelegenheit haben, ihr Ge-meindeleben in einem fremden Land und ihr diakonisch-soziales Engagement im Gastland exemplarisch vorzustellen.

 

Bodo Walther*

Diakon/Sozialtherapeut

 

*) vom 24.02. – 20.04.2017 wieder in Osaka-Kamagasaki fachspezifisch beratend tätig im Diaconia- Center „Kibo no Ie“, der Beratungsstelle für Alkoholkranke und von Wohnungslosigkeit betroffene Personen; eine Einrichtung der Japan Evangelical Lutheran Church, die mit der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig seit 50 Jahren eine aktive Partnerschaft pflegt.

Planungen für das Gasthaus Ökumene in Wittenberg

Die Vorbereitungen unserer Gemeinde für die Präsentation im Gasthaus der Ökumene anlässlich der Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation sind mittlerweile weiter vorangeschritten. Wir werden dort in Form von Postern die Anfänge des Christentums in Japan und die Geschichte unserer Gemeinde mit ihren aktuellen Aktivitäten vorstellen. Darüber hinaus ist geplant, japanische Übersetzungen der Bibel und theologische Schriften in einem Schaukasten auszustellen. Vorgesehen ist auch die Einrichtung einer kleinen „Audiostation“, an der die Besucher über Kopfhörer japanische Kirchenmusik hören können. Insbesondere, aber nicht nur jüngere Besucher sind eingeladen, sich an einem Tisch an der Kunst des Papierfaltens (Origami) zu versuchen. Die Verbindung von Glaube und Diakonie in Japan soll am Beispiel des Sozialreformers Toyohiko Kagawa illustriert werden. Schließlich sind auch kürzere Andachten geplant. Für all diese Aktivitäten bereiten verschiedene Mitglieder der Gemeinde seit einigen Wochen Materialien vor. Wir freuen uns darauf, die EKK und das japanische Christentum in Wittenberg den Besuchern nahebringen zu können.

 

Photos: Bodo Walther,

 Dinah Imanari